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Ein Beispiel Philosophischer Praxis gibt Dr. R. Lahav. >>>

 

 

Wie funktioniert Beratung in der "Philosophischen Praxis"?

 

Die Philosophische Praxis kennt eine Vielzahl von Methoden und Techniken, die sich zum Teil an benachbarte Wissensgebiete anlehnen. Einige davon sind:

  • Die Gefühls- und Affektregulierung der Stoiker 
  • Die Existenzanalyse nach Heidegger oder die Daseinsanalyse Binswangers 
  • Die existenzielle Psychoanalyse Sartres 
  • Die Traumdeutung Freuds im Rahmen seiner Psychoanalyse 
  • Die "Übungen zur Lebenskunst" von Pierre Hadot 
  • Die Hermeneutik Gadamers  
  • Die Selbsttechniken Foucaults im Rahmen seiner "Ästhetik der Existenz"
  • Der "Sokratische Dialog" und andere idiolektische Methoden usw.  

Doch keine dieser Methoden wird – obwohl im Einzelfall bedacht – in der Philosophischen Praxis einfach "benutzt" oder auf den Gast "angewandt".Vielmehr pflegt sie eine gründliche Skepsis gegenüber allen Versuchen, dem Selbstverständnis des Menschen eine vorgefertigte Theorie überzustülpen. So lassen die Herangehensweisen in der Philosophischen Praxis genügend Raum für weitergehende Interpretation und Reflexion. Einige mögliche Ansätze seien hier von der Internetseite Dr. Achenbachs (mit freundlicher Genehmigung) zitiert:  

  • Über das Ethos des Sprechens und Hörens
  • Was es heißt,im anderen bei sich selbst zu sein‹
  • Vom Geist der Verzeihung
  • Scheu vor Menschen
  • Über die Unangemessenheit des ›theoretischen‹ Blicks, den ein Mensch auf einen anderen wirft
  • Über die Verwerflichkeit eines ›moralischen‹ Blicks, der den anderenbeurteilt 
  • Überdie Versuchung des Belehrens
  • Philosophieder Lebensalter
  • Kontinuitäten, Umwege, Brüche
  • Formen religiöserVerwahrlosung 

An erster Stelle steht für den Philosophischen Praktiker das Verstehen der anderen Person, die ihn besucht. Doch wer versteht sich schon mit den Gedanken Platons, Hegels, Kants oder Freuds? Weder sind Sie einer von denen, noch sitzt Ihnen mit mir einer dieser großen Denker gegenüber. Sie begegnen vielmehr jemandem, der Sie und Ihre Probleme, Konflikte, Sorgenund Nöte mit der Philosophie verstehen will, nicht die Philosophie mit Ihnen. 

Dabei werden immer auch Grenzen offensichtlich: Der eigene Charakter, erlebte Enttäuschungen und gehegte Hoffnungen, das bereits beschriebene "Buch des Lebens" mit all seinen kleinen und großen Eintragungen und Randbemerkungen, das berufliche und private Umfeld, die Erziehung, der Glaube, persönliche Ängste und Zweifel.

Der Philosophische Praktiker nimmt solche Prägungen ernst und versucht, zusammen mit seinem Gast realistische Entwicklungsmöglichkeiten abzuwägen. Keineswegs aber – verbreitete Irrtümer über den Philosophen – misst er seinen Besucher an höheren "Idealen" oder erteilt "Ratschläge". Gerade weil der Philosophische Praktiker um die Schwächen der Menschen weiß, wird er sie nicht auszumerzen versuchen, sondern sie allenfalls um starke Einsichten erweitern wollen.